Mein Auslandsaufenthalt in Braunschweig

Hinreise

Mit dem ICE ging es in der 1. Klasse nach Braunschweig, eine Fahrt von rund acht Stunden. Dort wurden wir von einem Mitarbeiter der BBS abgeholt und direkt zum Apartment gebracht. Mein erster Eindruck war sehr positiv. Es wirkte gemütlich, war gut ausgestattet und lag praktisch in der Nähe von Einkaufsmöglichkeiten sowie nur etwa einen Kilometer vom Bühler entfernt. Der Bahnhof war zwar etwas weiter weg, aber gut erreichbar mit dem öffentlichen Verkehr. Nebenbei gesagt war das auch das erste Mal, dass ich allein gewohnt habe, was die ganze Erfahrung noch interessanter machte.

Die erste Woche in Braunschweig

Am ersten Arbeitstag wurde ich herzlich im Team aufgenommen. Später gab es in der Kantine die bekannte VW-Currywurst, ein Klassiker, den man dort auch an jedem Tag bestellen kann (vor 11 Uhr bestellen!!).

Am Nachmittag wurde ich an einem Kunden-Retrofit zugeteilt, bei der die bestehenden Anlagen softwaretechnisch modernisiert wird. Dabei lernte ich einen neuen Kollegen aus Tschechien kennen, mit dem ich bis zum letzten Tag meines Aufenthalts an dem Projekt gearbeitet habe. Wir haben uns sehr gut miteinander verstanden. Auch die Stimmung im Team war generell angenehm. Mir wurden immer wieder Tipps gegeben fürs Arbeiten, aber auch für Orte in Braunschweig und Umgebung, die ich mir anschauen sollte. (z.B. Salzgitter)

Da der Freitag der ersten Woche der Nationaltag von Deutschland war, nutzte ich die Gelegenheit, Braunschweig zu erkunden. Ich spazierte durch verschiedene Parks und sah mir bekannte Sehenswürdigkeiten in der Stadt an. Abends gönnte ich mir ein grosses Menü bei Burger King für „nur“ acht Euro, im Vergleich zur Schweiz sehr günstig. An dem Abend waren auch sehr viele Menschen unterwegs, da gerade ein Fussballspiel in Braunschweig lief.

Meine Arbeit

Fachspezifisch war es genau das gleiche, was ich schon in der Schweiz zu lernen begann. Nun konnte ich aber schon an einem richtigen Kundenprojekt teilhaben (auch wenn es nur ein kleiner Beitrag war). So konnte ich Erfahrung für zukünftige Projekte sammeln.

Der Alltag ausserhalb der Arbeit

Auch ausserhalb der Arbeit sammelte ich viele Eindrücke. Das Mittagessen in der Kantine war erstaunlich günstig. Ein komplettes Menü mit Getränk kostete nur 3.25 Euro. Allgemein ist das Preisniveau in Deutschland deutlich niedriger als in der Schweiz, selbst wenn man Lieferdienste wie Lieferando nutzt. Für 8 bis 15 Euro konnte man bequem ein komplettes Essen bestellen und liefern lassen. Die Essensauswahl war gut, aber dafür war die Getränkeauswahl dürftig. Das bekannte El Tony gab es in Deutschland leider nicht.

Ich habe gelernt mich selbst zu bekochen. Sei es ein Teller Spagetti zum Nachtessen oder ein reichhaltiges Frühstück mit Toast, Lachs und Rührei so wie ein Glas Orangensaft, damit ich energiegeladen in den Tag starten konnte.

Am Wochenende erledigte ich Alltagsdinge: Wäsche waschen, Einkaufen, Schulsachen erledigen und meine Woche vorausplanen. Ich probierte einige Restaurants und Fast-Food-Läden aus, aber manchmal blieb ich auch einfach im Apartment um eine Netflix Serie zu „bingewatchen“.

Mett-Woch, Kekse und Nachmittagsspaziergang

Während meines kurzen Aufenthalts durfte ich Bürotraditionen miterleben:

Am Mittwoch steht jeweils ein gemeinsames Morgenessen mit Mett Brötchen an.

Etwas, das an einem typischen Arbeitstag ebenfalls nicht fehlen darf, sind Kekse oder Schokolade. Sie liegen immer griffbereit auf dem Tisch, perfekt, wenn zwischendurch der kleine „G’luscht“ auf etwas Süsses kommt.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Bühler Kantine gibt es noch einen kleinen Spaziergang um das Gelände.

Diese kleinen «kulturellen» Aktivitäten, als auch das ganze Team waren für mich erfrischend und haben mich immer wieder erfreut.

Unterschiede zur Schweiz

Während meiner Zeit in Braunschweig fielen mir einige Unterschiede zwischen der deutschen und der schweizerischen Arbeits- und Lebensweisen auf.

  • Essen: deutlich günstiger, besonders in der Firma für Auszubildende.
  • Trotz des Pfands von 0.25 € auf jede Flasche sind Getränke insgesamt deutlich billiger
  • Arbeitszeit: nur 7 Stunden pro Tag
  • Den Beruf „Automatiker“ gibt es nicht unter dieser Bezeichnung, sondern wird Elektroniker für Automatisierungstechnik oder Mechatroniker genannt.
  • Leute: sehr freundlich, gesellig, offen und direkt.
  • Öffentlicher Verkehr: nicht so pünktlich und zuverlässig wie der Schweizer Standard

Schule und Online-Unterricht

Parallel zur Arbeit hatte ich in der letzten Woche einen Tag Schulunterricht, der online über Teams stattfand, wie während der Corona-Zeit. Dabei habe ich wieder gemerkt, wie limitierend es sein kann, wenn man nicht vor Ort ist.

Wochenendausflug nach Berlin

An meinem letzten Wochenende gönnte ich mir einen Tagesausflug nach Berlin. Früh morgens fuhr ich mit dem ICE in der 1. Klasse mit Sitzplatzreservation für rund 100 Euro in die Hauptstadt. Diese Chance, ein Abstecher in die nahgelegene Hauptstadt Berlin zu machen, liess ich mir nicht entgehen.

Zu Fuss machte ich mich dann auf einem selbst zusammengestellten Rundgang. Ich startete an der Friedrichstrasse, besuchte das Haus Schwarzenberg, sah das Bode-Museum von aussen und den Berliner Dom, zuerst von der Seite, später auch von vorne. Danach ging es weiter zum Alexanderplatz mit dem Fernsehturm und ins Alexa Einkaufszentrum, wo ich in der Food Meile gegessen habe.

Nebenbei angemerkt konnte ich eigentlich nur den Freitag in der ersten Woche und diesen Samstag in einem wunderschönen Wetter geniessen. Die restlichen Wochen- und Wochenendtage waren leider nicht so gut.

Am Nachmittag besuchte ich das Reichstagsgebäude, das Brandenburger Tor (wo zufällig eine Demonstration stattfand) und spazierte anschliessend durch den Grossen Tiergarten, vorbei am versteckten „Stand-by Me“-Baum. Da ich schon 25 Kilometer zu Fuss hinter mir hatte, nahm ich die U-Bahn zur Berliner Mauer und weiter zum Checkpoint Charlie, bevor ich von dort zurück zum Hauptbahnhof fuhr.

Auf der Rückfahrt hatte mein Zug etwa eineinhalb Stunden Verspätung, und zwei Halte fielen aus. Doch insgesamt war es ein sehr gelungener Tag mit vielen Eindrücken.

Der Abschluss des Aufenthalts

Gegen Ende meines Aufenthalts ergab sich eine kleine Änderung im Projektablauf: Mein Projektverantwortlicher musste länger als geplant auf Inbetriebsetzung bleiben. Dadurch war er in der letzten Zeit meines Aufenthalts nicht mehr vor Ort und konnte mich nicht mehr direkt unterstützen. Die Kommunikation lief nur noch über Teams, aber da ich ja mit meinem tschechischen Kollegen gearbeitet habe, war das kein grosses Problem.

Nach dieser Zeit, die für mich im Flug verging, wurde ich vom Team noch herzlich verabschiedet. Nicht nur mit kleinen Geschenken, sondern auch dass sie mich jederzeit gerne wieder begrüssen würden. Das positive Erleben dieser Zeit beruht auf Gegenseitigkeit.

Rückreise

Die Rückreise, wieder mit dem ICE (der für Verspätungen bekannt ist) klappte diesmal problemlos. Dafür fiel dann unerwartet der Anschlusszug in der Schweiz aus. So hat sich das Blatt wohl gewendet.

Fazit

Mein Auslandsaufenthalt in Braunschweig war eine bereichernde Erfahrung. Ich habe fachlich im Bereich PLC-Programmierung und Anlagenvisualisierung dazugelernt, Erfahrung an einem Kundenprojekt gesammelt und gleichzeitig einen Einblick in den deutschen Arbeitsalltag bekommen. Auch wenn das Alleinreisen nicht ganz mein Ding ist, war die Zeit wertvoll, lehrreich und voller spannender Eindrücke. Von den Mettbrötchen mittwochs bis hin zum Tagesausflug nach Berlin hatte ich abwechslungsreiche Tage. Ich bin sehr dankbar, dass die Ausbildung bei Bühler die Möglichkeit bietet, in einem anderen Land lernen zu können.

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